Die Google-Suche liefert seit gut zwei Jahren zunehmend Antworten statt Verweise. Für Unternehmenswebsites hat das eine Konsequenz, die sich in den Zahlen der vergangenen Monate deutlich abzeichnet: Sichtbarkeit und Besucherzahlen entwickeln sich auseinander. Wer nur auf die Position im Ranking schaut, sieht davon wenig, wer auf die Klicks schaut, sieht es sofort.
Was die Untersuchungen zeigen
Ahrefs hat im Februar 2026 mehr als 300.000 Suchbegriffe aus Search-Console-Daten ausgewertet. Erscheint eine KI-Übersicht über den Ergebnissen, sinkt die Klickrate der ersten organischen Position um 58 Prozent. Nach Zahlen von Conductor aus dem ersten Quartal 2026 tauchen solche Übersichten inzwischen bei rund 48 Prozent der Suchanfragen auf, Anfang 2025 waren es 6,5 Prozent. In Deutschland enden nach Semrush-Daten bereits knapp 60 Prozent aller Suchen ohne einen Klick auf eine Website. Der zweite Teil des Befunds wird seltener zitiert und ist für die Praxis der wichtigere. Wer in der KI-Antwort als Quelle genannt wird, erhält nach einer Auswertung von Seer Interactive rund 35 Prozent mehr organische Klicks als nicht genannte Wettbewerber auf derselben Ergebnisseite. Die Klicks verschwinden also nicht gleichmäßig, sie verteilen sich neu. Betroffen sind vor allem Seiten, die allgemeine Informationsfragen beantworten. Lokale und transaktionale Anfragen, also die Suche nach einem Anbieter in der Region oder nach einem konkreten Angebot, lösen deutlich seltener eine KI-Übersicht aus.
Die Quellenauswahl ist beweglich
Wer in KI-Antworten auftaucht, hängt am Modell, das die Antwort erzeugt. Nach einer Analyse von SE Ranking über 100.000 Suchbegriffe wurden nach dem Wechsel auf Gemini 3 als Standardmodell für die KI-Übersichten Ende Januar 2026 rund 42 Prozent der zuvor zitierten Domains durch andere ersetzt. Ein Modellwechsel kann die eigene Sichtbarkeit in der KI-Antwort also über Nacht verändern, ohne dass sich an der Website etwas geändert hätte. Das spricht dafür, Nennungen regelmäßig mit denselben Fragestellungen nachzumessen, statt sich auf eine einmalige Momentaufnahme zu verlassen.
Was auf der eigenen Website hilft
Die wirksamen Maßnahmen sind unspektakulär und decken sich weitgehend mit dem, was Google in seinen Richtlinien zu hilfreichen Inhalten beschreibt. Eine Seite sollte die Frage, für die sie gedacht ist, im ersten Absatz beantworten und die Begründung danach liefern. Preise, Leistungsumfang und Grenzen gehören offen auf die Seite, weil genau diese Angaben in Antworten übernommen werden. Strukturierte Daten machen Frage-Antwort-Paare, Standorte und Leistungen maschinenlesbar. Welche Bausteine dazugehören, ist auf der Themenseite Sichtbarkeit und Online-Marketing zusammengestellt. Und Inhalte, die auf eigener Erfahrung beruhen, auf gemessenen Werten, Projektzahlen oder Fehlern aus der Praxis, lassen sich von einem Sprachmodell nicht aus anderen Quellen zusammensetzen. Der umgekehrte Weg funktioniert nicht mehr. Große Mengen automatisch erzeugter Ratgebertexte ohne eigenen Beitrag fallen unter das, was Google als missbräuchliche Skalierung von Inhalten bezeichnet und seit dem Update im März 2024 als Spam behandelt. Maßgeblich ist dabei nicht, ob ein Text mit KI entstanden ist, sondern ob er für Leser einen eigenständigen Nutzen hat. Von der Frage der Suchmaschine zu trennen ist die rechtliche Seite: Welche Transparenzpflichten seit dem 2. August 2026 gelten, hängt am Anwendungsfall, nicht am Werkzeug. Ein mit KI vorbereiteter Beitrag, den ein Fachmann prüft, ergänzt und verantwortet, ist unproblematisch. Fünfzig Seiten generischer Text zu Begriffen, zu denen das Unternehmen nichts Eigenes beiträgt, sind es nicht.
Was sich an der Messung ändert
Solange Reichweite in Sitzungen gemessen wird, sieht jede Entwicklung dieser Art nach Verlust aus. Sinnvoller ist ein zweiter Blick auf die Kennzahlen, die näher an der Anfrage liegen: Anfragen über das Kontaktformular, Anrufe, Termine, Downloads, direkte Zugriffe auf die Startseite. Wenn die Zahl der Sitzungen sinkt, die Zahl der Anfragen aber stabil bleibt, arbeitet die Website weiterhin. Wenn beides sinkt, ist die Ursache selten die KI-Übersicht allein. Wo die eigene Website im Vergleich steht, lässt sich in einem Erstgespräch einordnen.
Quellen: Ahrefs, Auswertung von über 300.000 Suchbegriffen, Februar 2026; Conductor, Anteil der AI Overviews, Q1 2026; Semrush, Zero-Click-Anteil Deutschland; Seer Interactive, Klickvorteil zitierter Quellen; SE Ranking, Veränderung der zitierten Domains nach Modellwechsel; Google Search Central, Richtlinien zu hilfreichen Inhalten und Spam-Richtlinien zur missbräuchlichen Skalierung von Inhalten.
